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Hormone & Stoffwechsel

Schilddrüsenunterfunktion: Symptome, TSH-Wert und Therapie

Müde, verfroren, ein paar Kilo mehr und die Haare werden dünner? Eine Schilddrüsenunterfunktion entwickelt sich oft langsam – und wird deshalb lange übersehen. Mit einer Blutentnahme und einem Ultraschall lässt sie sich zuverlässig abklären.

Abdurrahman Altuntas · Facharzt FMH
Stand 04.11.2026 · 6 Min. Lesezeit

Was macht die Schilddrüse?

Die schmetterlingsförmige Drüse am Hals bildet Hormone, die den Stoffwechsel fast aller Organe antreiben – vom Herzschlag über die Verdauung bis zur Körpertemperatur. Bildet sie zu wenig davon, läuft der Körper gewissermassen im Sparmodus.

Typische Symptome einer Unterfunktion

  • Müdigkeit, Antriebslosigkeit, verlangsamtes Denken
  • Frieren, kalte Hände und Füsse
  • Gewichtszunahme trotz unveränderter Ernährung
  • Verstopfung
  • trockene Haut, brüchige Nägel, Haarausfall
  • gedrückte Stimmung, Konzentrationsprobleme
  • bei Frauen unregelmässige oder verstärkte Blutungen

Bei älteren Menschen sind die Zeichen oft unauffällig und werden dem Alter zugeschrieben.

Den TSH-Wert verstehen

Der wichtigste Suchtest ist das TSH – ein Steuerhormon aus der Hirnanhangsdrüse. Arbeitet die Schilddrüse zu wenig, gibt die Hirnanhangsdrüse mehr TSH aus, um sie anzutreiben. Ein erhöhtes TSH spricht deshalb für eine Unterfunktion.

BefundBedeutung
TSH erhöht, fT4 normallatente (milde) Unterfunktion – oft keine Behandlung nötig
TSH erhöht, fT4 tiefmanifeste Unterfunktion – meist behandlungsbedürftig
TSH tiefHinweis auf eine Überfunktion

Der Normbereich liegt je nach Labor etwa zwischen 0,4 und 4 mU/l. Ob ein leicht erhöhter Wert behandelt werden sollte, hängt von Beschwerden, Alter, Kinderwunsch oder Schwangerschaft ab.

Häufigste Ursache: Hashimoto

In der Schweiz ist die Hashimoto-Thyreoiditis die häufigste Ursache – eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Schilddrüse langsam angreift. Frauen sind deutlich häufiger betroffen. Nachweisen lässt sie sich mit Antikörpern im Blut und einem typischen Bild im Ultraschall, den wir direkt in der Praxis machen. Weitere Ursachen sind Operationen oder eine Radiojodtherapie.

So wird behandelt

Fehlendes Hormon wird als Tablette ersetzt. Es wird morgens nüchtern mit Wasser eingenommen, etwa eine halbe Stunde vor dem Frühstück – Kaffee, Eisen- oder Kalziumpräparate erst später. Die Dosis passen wir nach 6 bis 8 Wochen anhand des TSH an, danach genügen meist jährliche Kontrollen.

Latente Unterfunktion: behandeln oder abwarten?

Bei einer latenten Unterfunktion ist nur das TSH leicht erhöht, das eigentliche Schilddrüsenhormon fT4 aber noch normal. Viele Betroffene haben keine Beschwerden. Die Leitlinien empfehlen eine Behandlung vor allem dann, wenn das TSH deutlich erhöht ist (meist über 10 mU/l), wenn typische Beschwerden bestehen oder bei Kinderwunsch und Schwangerschaft. Ansonsten genügt oft eine Kontrolle nach einigen Monaten – ein einzelner Wert kann auch vorübergehend erhöht sein, etwa nach einem Infekt.

Schilddrüse, Schwangerschaft und Kinderwunsch

In der Schwangerschaft steigt der Bedarf an Schilddrüsenhormon. Eine unbehandelte Unterfunktion kann die Fruchtbarkeit senken und das Risiko für Komplikationen erhöhen. Frauen mit bekannter Unterfunktion sollten deshalb schon bei Kinderwunsch und sofort bei einem positiven Schwangerschaftstest das TSH kontrollieren lassen – die Dosis muss oft erhöht werden.

So läuft die Abklärung bei uns ab

  • Gespräch über Beschwerden, Medikamente und Familiengeschichte
  • Blutentnahme: TSH, fT4 und bei Bedarf Antikörper (TPO)
  • Ultraschall der Schilddrüse direkt in der Praxis – schmerzfrei, ohne Strahlen
  • Besprechung der Resultate und Therapieplan

Knoten, die im Ultraschall auffallen, beurteilen wir nach ihrer Grösse und Struktur und kontrollieren sie wenn nötig im Verlauf.

Wann sollten Sie zum Arzt?

  • bei anhaltender Müdigkeit, Frieren und Gewichtszunahme
  • bei Kinderwunsch oder Schwangerschaft – dann besonders früh
  • bei einer tastbaren Schwellung am Hals

Häufige Fragen

Kann man mit einer Schilddrüsenunterfunktion abnehmen?

Ja. Mit richtig eingestellter Therapie normalisiert sich der Stoffwechsel; die Gewichtszunahme durch die Unterfunktion selbst ist meist nur wenige Kilo.

Muss ich die Tabletten lebenslang nehmen?

Bei Hashimoto in der Regel ja, weil die Schilddrüse ihre Funktion nicht zurückgewinnt.

Wie oft sollte das TSH kontrolliert werden?

Nach einer Dosisänderung nach 6 bis 8 Wochen, bei stabiler Einstellung meist einmal jährlich.

Kann man eine Schilddrüsenunterfunktion selbst erkennen?

Nur vermuten – die Beschwerden sind unspezifisch. Sicherheit bringt erst die Blutentnahme mit dem TSH-Wert.

Ist Jodsalz bei Hashimoto erlaubt?

Ja, normales Jodsalz in üblichen Mengen ist unbedenklich. Hochdosierte Jodpräparate sollten Sie dagegen nur nach Rücksprache einnehmen.

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Quellen
  • European Thyroid Association (ETA) Guideline: Management of Subclinical Hypothyroidism
  • Schweizerische Gesellschaft für Endokrinologie und Diabetologie (SGED)
  • Swissmedic, Arzneimittelinformation Levothyroxin